Santander

von Gabi Lässig / am 31.08.2018 / in Allgemein

Ein gemütlicher Tag auf dem Wasser – lauer Wind, kaum Welle, blauer Himmel und Sonne, kaum andere Schiffe um uns herum – und wir dachten, wir wären schnell und problemlos am heutigen Ziel unserer Reise.

Auf dem Wasser ist es für alle Schiffe, die ein Funkgerät haben, Pflicht, stets den Kanal 16 eingeschaltet zu haben, „Hörwache“ nennt man das. Das machen wir natürlich auch – aber weil da in der Regel nichts passiert außer ab und zu unverständlichem Rauschen, ist die Lautstärke ziemlich reduziert.

Wir waren kurz vor der Einfahrt nach Santander hinein, da meinten wir auf einmal, den Namen „Ayolos“ gehört zu haben. Und tatsächlich rief uns die Küstenwache Santander, die uns auf dem AIS gesehen hatte, auf Kanal 16 an. Ein (automatischer) Notruf von einem anderen Schiff war dort angekommen, von einer Position ganz in unserer Nähe, der Absender des Notrufs meldete sich nicht mehr, und wir wurden gebeten, uns die angegebene Position einmal anzuschauen, ob wir etwas entdecken konnten.

Wir sahen ein kleines Motorboot in der Nähe und machten uns auf den Weg, um nachzuschauen, ob der Notruf von dorther gekommen war. Wohl nicht – es war ein Angler, der sich bei unserer Annäherung schnell aus dem Staub machte.

Wir machten Meldung bei der Küstenwache (Jürgen hat ja den Funkschein und beherrscht das Prozedere tadellos), die uns für die Hilfe dankte und weiter gute Fahrt wünschte. Dann hörten wir aber immer wieder das „Mayday-Relay“, die Meldung an alle Schiffe in der Umgebung, die Augen offen zu halten, und auch ein Hubschrauber kreiste über der Gegend.

Eine Viertelstunde später wurden wir noch einmal angerufen, diesmal von der hiesigen Seenotrettung: Das Schiff, von dem der Notruf kam, hatte ein deutsches Rufzeichen – und so wurden wir gebeten, auf Deutsch auf Kanal 16 das Schiff anzurufen, nachdem ja Rufe auf Englisch und Spanisch ohne Antwort geblieben waren. Das taten wir auch, natürlich ohne Erfolg.

Wir hoffen, dass nicht wirklich jemand in Seenot geraten ist – aber wenn der Notruf nur aus Versehen oder Dummheit oder mutwillig abgesetzt worden ist, haben wir kein Verständnis dafür, dass sich derjenige nicht gleich gemeldet hat und so eine große Rettungsaktion gestartet wurde. Dann können wir uns nur für unsere Landsleute schämen!

Eine Stunde später als geplant fuhren wir nach Santander hinein, vorbei an vielen kleinen und großen und sogar Regatta fahrenden Segelbooten, und immer schön im Fahrwasser, weil auch hier viele Untiefen die Anfahrt erschweren. Und jetzt liegen wir in einer schönen großen Marina – direkt neben dem Flughafen, wo wir den startenden und landenden Jets zuschauen und zuhören können, und warten ab, ob der angekündigte Starkwind tatsächlich auch kommt – und wann….

 

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